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Stadtteilgruppe
Wiesbaden-Schierstein

1. Presseerklärung zur „Bauplanung am Osthafen“

Diskussion versachlichen

Gemeinsame Presseerklärung der SPD-Fraktion und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Schiersteiner Ortsbeirat

03.05.2009

Animation des geplanten DAL-GebäudesDie weitere Bebauung am Schiersteiner Osthafen ist für unseren Stadtteil eine ganz entscheidende Frage. Deshalb ist es wichtig, dass nicht primär Emotionen geschürt werden, sondern ein sachliches Für und Wider mit allen Aspekten diskutiert wird. Schierstein ist zweifelsfrei ein attraktiver und lebendiger Stadtteil, der nicht ohne Grund in den letzten Jahren ständig gewachsen ist. In Schierstein kann man wohnen, arbeiten, Freizeit genießen und hat dabei Natur, Wasser und Weinberge direkt vor der Tür.

Allerdings handelt es sich bei der gesamten Gegend von der Alten Schmelze/Hagenauer Straße über die Äppelallee bis zur Rheingaustraße mit ihren Seitenstraßen um ein vom Verkehr hoch belastetes Gebiet. Deshalb hat der Ortsbeirat auch mehrfach die Ausarbeitung eines Gesamtverkehrsplanes für Schierstein gefordert, zuletzt in seiner Sitzung am 25.03.2009. Diese Probleme würden sicher durch eine Ansiedlung der Deutschen Anlagen-Leasing (DAL) am Schiersteiner Hafen noch stärker werden. Gleiches gilt aber auch für eine mögliche Wohnbebauung oder eine Errichtung von Gaststätten, Cafés und Hotels.

Wohnbauten sind nicht prinzipiell immer schöner als Bürogebäude. So ist die SCHUFA-Architektur fast einladender als die Mauer der Tiefgarage des Wohngebietes Hafenstadt, das zusätzlich in Richtung Wasser fast hermetisch abgeschirmt ist und deshalb beim Flanieren auf der Promenade nur bedingt anspricht.

Wer mitbekommen hat, dass vergangene Woche tausend Mitarbeiter der Firma Federal Mogul (Glyco) in Schierstein für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert haben - in der Georg-Lang-Halle war die Abschlusskundgebung - wird zumindest darüber nachdenken müssen, ob dreihundert Arbeitsplätze in Wiesbaden so einfach vom Tisch zu wischen sind - „gerade in Zeiten wie diesen“. Auch die SCHUFA wäre mit ziemlicher Sicherheit überhaupt nicht mehr in Wiesbaden, wenn ihr Bauvorhaben damals nicht genehmigt worden wäre. Und wer sich einmal am Hafen niedergelassen hat, geht nie mehr weg - das bestätigt jeder Bewohner des Tiefgebiets. Befürchtungen, Büros könnten hier leer stehen, kann niemand haben, der jemals dort aus dem Fenster geschaut hat.

Schierstein soll sich schon der eigenen Wurzeln bewusst sein; aber Fischer gibt es hier schon lange nicht mehr. Manchmal hilft auch ein Blick auf alte Fotografien, z.B. im Heimatmuseum. Da sieht man eine Kaserne, ein mit Stacheldraht gesperrtes Ufer, die Knochenmühle, einen Futtersilo - kurzum einen richtigen Industriehafen. Auch machen zwei Weingüter aus unserem Stadtteil noch lange keine „Weinbaugemeinde Schierstein am Rhein“. Neben der Tradition darf auch die Zukunft nicht ganz zu kurz kommen - die besteht wahrscheinlich nicht nur aus Wein und Tourismus und ist nicht immer schlechter als die Vergangenheit.

Die Schiersteiner sind der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG) dankbar, dass sie geholfen hat zu verhindern, dass sich die Außenstelle des Wasser- und Schifffahrtsamtes mit einer ziemlich unpassenden, „echten Industrie“- Architektur am Osthafen ansiedelt. In diesem Fall hätte auch die Hafenpromenade nicht weiter geführt werden können, jedenfalls nicht entlang der Wasserfläche. Ob die hierbei entstanden Kosten es erlauben, statt eines Bürobaus eine Freizeitfläche o.ä. zu schaffen und den Bürobau möglicherweise an anderer Stelle zu realisieren, kann von hier nicht beurteilt werden. Dazu sollten endlich einmal die Verantwortlichen in der Stadt klar Stellung beziehen. - SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Schierstein werden sich immer für Natur und Grün in Schierstein einsetzen.

Wichtig ist darüber hinaus, den Hafen als Freizeit- und ideale Wassersportfläche zu erhalten. Wir wollen „Eisenmänner“, Regatten, Kajaks, Motor-, Segel-, Tret- und Drachenboote, keinesfalls Flusskreuzfahrschiffe oder Köln-Düsseldorfer im Hafen.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass nicht nur einzelne Interessen im Vordergrund stehen. Schierstein entwickelt sich. Man muss den Osthafen, das Gelände der ehemaligen Knochenmühle, die Renaturalisierung der Bismarcksaue, den Neubau der Schiersteiner Brücke, die westliche Ortseinfahrt, den Verkehr in Schierstein, die Anbindung von Schierstein-Nord und vieles mehr betrachten und beachten. Wir wollen, dass die Schiersteiner in Schierstein weiterhin wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen können.

Urban Egert und Walter Richters,
Fraktionssprecher von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN


Erstellt: 03.05.2009, letzte Änderung: 21.04.2015, Autor: W.Richters, © 2000