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Stadtteilgruppe
Wiesbaden-Schierstein

Umwelttechnische Untersuchungen im Hafen

Magistratsvorlage 02-V-36-0014

Während der Sitzung des Schiersteiner Ortsbeirats am 24.10.2002 wurden die Ergebnisse der Magistratsvorlage 02-V-36-0014 vorgestellt. Diese Vorlage trägt den Titel „Bericht über umwelttechnische Untersuchungen im Hafenbecken des Schiersteiner Hafens“.

Zunächst werden die Punkte „Allgemeines“, „Hintergrund“, „Ziele der Untersuchung“, „Durchführung der Untersuchungen“ und „Beurteilungsgrundlagen“ dargestellt, anschließend die beiden Rubriken „Ergebnisse“ und „Bewertung“, die hier ungekürzt wiedergegeben werden.


Ergebnisse:

  • Schwermetalle

      Ermittelte
     Konzentration
    Sanierungs-
     schwellenwert
    Cadmium 9,8 mg/kg 5 mg/kg
    Zink 1492,0 mg/kg 750 mg/kg
    Quecksilber  4,5 mg/kg 5 mg/kg
    Arsen 55 mg/kg 150 mg/kg
    Blei 922 mg/kg 500 mg/kg
    Chrom 180 mg/kg 500 mg/kg
    Kupfer 219 mg/kg 300 mg/kg
    Nickel 64 mg/kg 250 mg/kg
    Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass in den Sedimentproben mittels Greifer (oberflächennahe Beprobung) zum Teil deutlich erhöhte Schwermetallgehalte vorliegen, die nach Auswertung der tiefenorientierten Beprobung zur Tiefe hin deutlich abnehmen.

  • Organozinn-Verbindungen
    Insbesondere in den Sedimentproben mittels Greifer konnten deutlich erhöhte Gehalte an Organozinn-Verbindungen ermittelt werden. Mit Spitzenkonzentration von max. 460 μg/kg für den Einzelparameter Tributylzinn liegen die Gehalte deutlich über der Zielvorgabe der ARGE Elbe von 25 μg/kg.
    (Zum Vergleich: Hafen Hamburg 3.800 μg/kg, Sportboothafen Wesel 670 μg/kg, Neckar bei Laufen 620 μg/kg).

  • PCB, MKW, Phenole, PSM
    Die Gehalte der v. g. untersuchten Parameter liegen in Konzentrationsbereichen, die entweder unter den Bestimmungsgrenzen des Labors oder im Bereich zwischen Prüf- und Sanierungsschwellenwerten der anzulegenden Wertelisten liegen.

  • PAK
    PAK überschritt mit 42 mg/kg an einem Probenpunkt den Sanierungsschwellenwert von 25 mg/kg.

Bewertung:

Die Untersuchungen der Sedimentproben im Hafenbecken des Schiersteiner Hafens zeigen relevante Belastungen mit Schwermetallen, Organozinn-Verbindungen und PAK, die für einen Sporthafen typisch sind.

Mit Blick auf die v. g. Richtwerte des Bund/Länder-Arbeitskreises „Baggergut Küste“ und der anzulegenden Sanierungsschwellenwerte für Schwermetalle kann gefolgert werden, dass eine Überschreitung von Richtwerten R2 (langfristig) und Sanierungsschwellenwerten vorliegt und ein mittelfristiger Handlungsbedarf aus wasserbehördlicher Sicht im Sinne einer Sanierung durch Aushub gegeben ist.

Hauptsächlich betroffen sind die Bereiche des Bootshafens, die Fläche vor der ehemaligen Kaserne der Flusspioniere und die Hafenzufahrt.

Die Ergebnisse der umwelttechnischen Untersuchungen lassen den Schluss zu, dass keine unmittelbare Gefährdung für Hafenanlieger besteht, wenn ein direkter Kontakt mit dem Sediment nicht erfolgt. Allerdings kann eine Gefährdung zum Beispiel während des Badens oder indirekt über den Verzehr von im Hafenbecken gefangenen Fischen bestehen.

Eine Gefährdung für das Schutzgut Wasser liegt eindeutig vor, da einige der untersuchten Schadstoffe wie z.B. Tributylzinn wasserlöslich sind.

Nach Einschätzung des beauftragten Gutachters, Fresenius Umwelt Consult, Taunusstein, sollten Nutzungsbeschränkungen wie ein Badeverbot im Hafenbecken und ein Angelverbot ausgesprochen werden.
Ferner wird gutachterlich empfohlen, eine Untersuchung der Wasserqualität im Hafenbecken durchzuführen.

Gleichen Tenor weisen die als Anlage beigefügten Stellungnahmen des Gesundheitsamts und Staatlichen Amts für Lebensmittelüberwachung, Tierschutz und Veterinärwesen auf.

Die Studie zur Öffnung eines Verbindungskanals vom Rhein zum Hafenbecken schlussfolgert, dass die Öffnung des Verbindungskanals eine deutliche Steigerung des Wasserumschlags im Hafenbecken bewirkt. Allerdings wird durch die niedrigen Fließgeschwindigkeiten im Hafenbecken ein Großteil der vom Rhein eingetragenen Schwebstoffe sedimentieren, was ein unerwünschter Effekt ist. Die Studie ermittelt ferner ein annähernd gleiches biochemisches Milieu von Rheinwasser und Hafenwasser, so dass die Wasserqualität durch den Rheinwasserzustrom nicht signifikant verbessert würde.


Die abschließende Rubrik „Kostenkalkulation“ kommt dann auf einen Gesamtbetrag von über 2,75 Millionen € für die Sanierung des Hafenbeckens.


Erstellt: 06.06.2004, letzte Änderung: 27.03.2008, Autor: W.Richters, © 2000